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Atemwegserkrankungen: Sport bei Lungenkrankheiten (Lungenfibrose)

Ausdauersport und Krafttraining bei Patienten mit interstitiellen Lungenerkrankungen fördern die Therapie

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Sport bei Lungenkrankheiten: Zwei Frauen beim Nordic Walking
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Im Dezember 2017 wurde bei mir eine Lungenfibrose diagnostiziert. Nachdem ich den Schock der Diagnose einigermaßen verdaut hatte, habe ich während einer Reha sehr schnell gemerkt, dass ich sportlich doch noch viel mehr machen kann, als ich dachte. Nach der Reha bekam ich ein Rezept für die Teilnahme an einer Rehasportgruppe. Allerdings gab es keine Gruppe mit freien Plätzen, die speziell Sport bei Lungenkrankheiten in meiner Nähe anbot. Daher schloss ich mich einer allgemeinen Rehasportgruppe an, die sich regelmäßig in einem Fitnessstudio trifft. Zum Aufwärmen bin ich aufs Laufband und nach dem Rehasport habe ich meist noch Krafttraining gemacht.

Meine Kondition hat sich sehr schnell verbessert und ich fühle mich wohler und fitter. Sport bei Atemwegserkrankungen, speziell in meinem Fall Sport bei Lungenfibrose verbessert die Lebensqualität erheblich.

Australische Studie zum Thema Sport bei Lungenkrankheiten

Wenn Betroffene die Diagnose einer Lungenerkrankung bekommen, müssen sie sich nicht nur mit ihrer Krankheit auseinandersetzen, sondern auch versuchen, dass Medizinerlatein in Befunden, Arztbriefen und in Gesprächen mit Ärztinnen und Ärzten zu verstehen. Das fiel mir am Anfang extrem schwer. Deshalb übersetze ich folgende Begriffe kurz und knapp von Medizinerlatein in leicht verständlich Sprache.


Was ist eine Lungenfibrose?

Bei einer Lungenfibrose kommt es zu chronischen Entzündungen des Bindegewebes in der Lunge. Durch die Entzündungen vermehren sich die Bindegewebsfasern. Diese krankhafte Vermehrung in einem Organ wird als Fibrose (vom lateinischen Fibra: Faser) bezeichnet. Mit der Zeit verhärtet das Gewebe und vernarbt. Die Lunge verliert ihre Dehnbarkeit und es kommt zu Luftnot.

Was ist eine Asbestose?

Asbestose ist eine Lungenerkrankung, die durch das Einatmen von Asbeststaub entsteht.

Was bedeutet interstitiell?

Interstitielle Lungenerkrankungen betreffen das Interstitium, also den Zellzwischenraum. Dieser liegt zwischen den Wänden der Lungenbläschen, den Alveolen und dem Bindegewebe rund um die Blutgefäße.

Was bedeutet idiopathisch?

Von einer idiopathischen Lungenerkrankung spricht man, wenn die Ursache der Erkrankung nicht bekannt ist.


In einer australischen Studie(1) die in der Fachzeitschrift Thorax veröffentlicht wurde erzielen, insbesondere Patienten mit einer Asbestose oder einer idiopathischen Lungenfibrose durch Therapiebegleitende sportliche Betätigung gute Erfolge.

An dieser Studie in Australien(1) nahmen 142 Patienten mit interstitiellen Lungenerkrankungen teil. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe wurde ganz normal weiter therapiert. Die andere Gruppe nahm zusätzlich zu ihrer Therapie wöchentlich an einem ambulanten Training mit Ausdauer- und Kraftsport unter Aufsicht teil. Ein zweites wöchentliches Trainingsprogramm wurde alleine zu Hause ausgeführt.

Zur Kontrolle wurde der 6-Minuten-Gehtest herangezogen. Die Teilnehmer der Gruppe mit den zwei Trainingseinheiten pro Woche schaffte im Durchschnitt 25 Meter mehr als die Kontrollgruppe.

Was ist der 6-Minuten-Gehtest?

Der 6-Minuten-Gehtest ist ein einfach durchzuführender Test um die Leistungsfähigkeit abzuschätzen. PatientInnen laufen auf einer ebenen Strecke zum Beispiel einem Krankenhausflur 6 Minuten lang so schnell es ihnen möglich ist. Während des Tests kann begleitend Puls, Blutdruck und Sauerstoffsättigung gemessen werden. Ein gesunder nicht trainierter Mensch schafft in dieser Zeit ungefähr 700 bis 800 Meter. Mit diesem Test lässt sich auch der Verlauf einer Lungenerkrankung beobachten.

Laut den Autoren können Kraftsport und Ausdauersport eine positive Ergänzung der Therapie sein. Je früher im Krankheitsverlauf mit dem körperlichen Training begonnen wird, desto besser. Regelmäßiges Training erhöht die körperliche Leistungsfähigkeit und trägt dazu bei diese längst möglich zu erhalten.

Mein Ziel: hohe Lebensqualität trotz Lungenfibrose

Die beste Voraussetzung um mit einer Lungenfibrose gut leben zu können ist gesunde Ernährung, ein BMI im Normalbereich, ein starkes Immunsystem, ein gut trainiertes Herz/Kreislaufsystem und damit verbunden eine gute Fitness. Die verlorene Lungenkapapzität wieder herzustellen ist leider nicht möglich, aber auf alle anderen Faktoren hast du Einfluss. Diese Erkenntnis hat bei mir leider eine Weile gedauert.

Mit meinem Gewicht habe ich schon seit langem zu kämpfen. Meine Fitness war noch bis vor kurzem eigentlich nicht existent. Immer wiederkehrende Krankenhausaufenthalte haben außerdem dafür gesorgt, dass ich schleichend Gewicht aufgebaut und Fitness abgebaut habe. Ich hatte lange Zeit nicht verstanden, dass ich ohne Bewegung und gesunde Ernährung meiner Gesundheit immer mehr im Weg stand.

Die oben bereits erwähnte Reha war für mich der Auslöser etwas zu verändern. Bis dahin bekam ich schlecht Luft, hatte bei geringsten Anstrengungen Atemnot, war stark übergewichtig und hatte regelmäßig Erkältungen und grippale Infekte. Meine Lungenfachärztin an der Uniklinik Gießen, Dr. med. Ekaterina Krauss riet mir langfristig Gewicht zu verlieren. Da bei mir aufgrund meines „jungen“ Alters später eine Lungentransplantation wahrscheinlich ist. Wenn ich eine Chance auf diese Lungentransplantation haben wollte, müsse ich einen BMI von 29 erreichen. Das bedeutete 27 kg abzunehmen. Das ist so viel wie drei Eimer Wasser was da weg muss.

Mein Weg zum Ziel: Sport und gesunde Ernährung

Zuerst einmal muss ich meine Ziele näher definieren. Das große Ziel ist ein BMI von 29 oder darunter. Auf meinem Weg dahin merke ich wie ich mich immer ein bisschen wohler in meiner Haut fühle, je mehr die Pfunde verschwinden. Auf dem Weg zum großen Ziel ist es wichtig verschiedene, ich nenne sie mal Etappen oder Teilziele, zu definieren. Also ungefähr wie einzelne Puzzle Teile, die nur zusammen zum eigentlichen Ziel führen und bis dahin völlig unabhängig voneinander sind.

Gewichtsreduktion

Das wichtigste Ziel ist es Fett abzubauen. Das hilft entzündlichen Prozessen im Körper entgegen zu wirken. Wenn du die entzündlichen Prozesse in deinen Zellen verringern kannst, wird dein Immunsystem weniger zu tun haben und allmählich zur Ruhe kommen. Außerdem haben übergewichtige Menschen oft Schmerzen in den Gelenken. Übergewicht führt dazu das sich die Blutgefäße verengen und fördert so das Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Eine Gewichtsreduktion wird auch dein Risiko an bestimmten Krebsformen zu erkranken verringern. Darüber hinaus und das ist für mich ein ganz wichtiger Grund, bedeutet der Gewichtsverlust eine erhebliche Steigerung des Wohlbefindens. Zusätzlich kannst du mit der Reduzierung deines Gewichtes auch dem dem Alterungsprozess entgegen wirken.

Gesunde Ernährung

Eine gesunde Ernährung ist unbedingt nötig und wird dich beim Abnehmen unterstützen. Meine Erfahrung ist es, dass du langfristig nur gute Erfolge beim Abnehmen haben wirst, wenn du es schaffst deine Ernährung umzustellen.
Wenn du darauf achtest mit der Nahrung genug Antioxydantien aufzunehmen und dadurch die freien Radikale reduzierst kannst du oxidativem Stress entgegen wirken. Was das ist und welche Vitamine dich dabei unterstützen kannst du in unserem Artikel „Alle 13 Vitamine im Überblick: So wichtig sind sie für deinen Körper“ nachlesen. Kenntnisse zum Beispiel über gute und schlechte Kohlenhydrate oder Ballaststoffe hilft dir außerdem dabei, auch beim Abnehmen nicht auf Kohlenhydrate verzichten zu müssen.

Fitness/Ausdauer

Abzunehmen alleine durch eine Umstellung der Ernährung funktioniert nur eine Zeit lang gut. Es ist wichtig, dass du zusätzlich mehr Bewegung in deinen Alltag einbaust. Am Anfang kann es hilfreich sein einen individuellen Trainingsplan für dich zu erstellen. Mit einem festen Terminplan wird es dir leichter fallen, deinen inneren Schweinehund zu überwinden. Sport hilft dir dabei Kalorien zu verbrauchen und deine Fitness zu verbessern. Am wichtigsten beim Sport bei Lungenerkrankungen ist es, dass dein Körper wieder mehr und besser Sauerstoff zu deinen Zellen transportieren kann. Außerdem schüttet dein Körper Glückshormone aus und du wirst dich nach dem Sport regelmäßig besser fühlen.

Muskelaufbau

Es geht also beim Abnehmen darum mehr Kalorien zu verbrennen als du mit deiner Nahrung zu dir nimmst. Sport hilft dir dabei Kalorien zu verbrennen. Je mehr Muskelgewebe du hast desto mehr Kalorien verbrauchst du, denn deine Muskulatur verbrennt auch Fett wenn du ruhst. Also mein Tipp: Nicht nur Ausdauersport betreiben, sondern auch durch Kraftsport mehr Muskelmasse aufbauen.

Welche Sportart ist geeignet bei Lungenerkrankungen?

In der australischen Studie(1) empfehlen die Autoren einen Mix aus Kraft- und Ausdauersport. Auch während meiner Reha bestand das Sportprogramm aus Kraftsport, Beweglichkeit und Ausdauersport.

Welche Sportart du dir aussuchst und wie intensiv du dein Training betreibst hängt von deiner Erkrankung und deiner persönlichen Fitness ab. Auf jeden Fall solltest du dich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen bevor du mit dem Sport beginnst.

Mit diesen Sportarten kannst du deine Ausdauer verbessern:

  • Gehen/Walking bzw. Nordic Walking
  • Laufen oder Joggen
  • Radfahren
  • Schwimmen
  • Wandern
  • Skilanglauf
  • Inline-Skating

Krafttraining kannst du sehr effektiv in einem Fitnessstudio betreiben. Solltest du keine Lust auf ein Fitnessstudio haben gibt es aber auch gute Möglichkeiten für Krafttraining ohne Geräte. Hierzu kann ich dir das Buch „50 Workouts – Bodyweight-Training ohne Geräte: Einfach – effektiv – überall durchführbar“ empfehlen.

Wenn du untrainiert bist musst du dich unbedingt langsam an deine Grenzen heran tasten. Auf keinen Fall solltest du dich überfordern. Das kann gesundheitliche Probleme verursachen. Außerdem ist es nicht gerade sehr motivierend, wenn du ständig an deine Grenzen kommst. Es ist gar nicht wichtig wie gut du beim Sport bist. Am wichtigsten ist es Sport als Selbstverständlichkeit in deinen Lebensalltag einzubauen.

(1) Dowman L. M., et al. The evidence of benefits of exercise training in interstitial lung disease: a randomised controlled trial.
In: Thorax, 2017

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