Was ist Zöliakie?

Zöliakie ist eine lebenslange Unverträglichkeit gegen das Klebereiweiß Gluten. Hier erfährst du alles Wissenswerte zu den Ursachen und Symptomen, sowie zur Diagnose und Behandlung.

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Zöliakie: Weizenbrötchen
pixabay.com / Sprinter_Lucio

Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit ist eine entzündliche Darmerkrankung. Ausgelöst wird sie von dem Klebereiweiß Gluten, das in vielen Getreidesorten vorkommt. Glutenhaltige Nahrungsmittel lösen bei Betroffenen unter anderem Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall aus. Langfristig kommt es zu einer chronischen Entzündung des Dünndarms.

Allergie oder Autoimmunerkrankung? Was trifft zu?

Im Gegensatz zur Weizenallergie ist die Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) eine allergische Reaktion des Immunsystems auf das Klebereiweiß Gluten. Das Immunsystem bildet fälschlicherweise Antikörper gegen das Klebereiweiß und löst so die allergische Reaktion aus. Die Antikörper richten sich aber auch gegen das körpereigene Enzym Gewebetransglutaminase. Wenn das Immunsystem körpereigene Stoffe angreift, spricht man von einer Autoimmunerkrankung.

Zöliakie: die Ursachen

Bisher konnte noch nicht abschließend erforscht werden, warum es bei den Betroffenen zum Ausbruch der Krankheit kommt. Es wird davon ausgegangen, dass Zöliakie eine genetische Ursache hat, da bei Erkrankten oft auch Eltern, Kinder oder Geschwister an Glutenunverträglichkeit leiden. Allerdings erkrankt nur ein geringer Teil der Menschen, die dieses Gen in sich tragen. Deshalb muss es neben der genetischen Veranlagung noch weitere Faktoren geben, die als Auslöser in Frage kommen. Zum Beispiel Umwelteinflüsse, Infektionen im Kleinkindalter, glutenreiche Ernährung in den ersten Lebensmonaten oder die Dauer der Stillzeit im Säuglingsalter. Ebenso fällt auf, dass Menschen, die an einer Autoimmunkrankheit leiden oft gleichzeitig eine Unverträglichkeit auf Gluten entwickeln. Warum das so ist kann bisher ebenfalls nicht erklärt werden.

Welche Symptome treten bei Zöliakie auf?

Zu den Symptomen, die kurz nach dem Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln auftreten, zählen zum Beispiel Bauchschmerzen oder Durchfall. Durch die langfristig entstehende chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut können die Nährstoffe nicht mehr so gut vom Körper aufgenommen werden. Das führt langfristig zu Mangelerscheinungen und dadurch kann es zu Gewichtsverlust kommen.
Die Glutenunverträglichkeit kann sich auch durch viele atypische Symptome äußern, die sich nur schwer dieser Erkrankung zuordnen lassen. Dazu zählen unter anderem Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Vitaminmangel, Wassereinlagerungen, Hautausschlag, Depression, Angstzustände oder Kopfschmerzen.

Untersuchungsmöglichkeiten und Diagnose

Wenn du über einen längeren Zeitraum an einigen der oben genannten Symptomen leidest und vermutest, dass dafür eine Glutenunverträglichkeit verantwortlich sein könnte, suche unbedingt eine Ärztin oder einen Arzt auf. Ein Gastroenterologe, also eine Fachärztin oder ein Facharzt für Innere Medizin, spezialisiert auf Erkrankungen des Verdauungstraktes, ist dafür die richtige Anlaufstelle.

Zum Nachweis einer Glutenunverträglichkeit wird zuerst ein Bluttest gemacht. Der Nachweis von Antikörpern gegen das Enzym Transglutaminase gibt einen ersten Hinweis auf eine mögliche Erkrankung. Das Eiweiß Transglutaminase verarbeitet in der Dünndarmschleimhaut das in Gluten enthaltene Glutamin. Wenn du unter Zöliakie leidest bildet dein Körper Antikörper gegen das Enzym. Dadurch kann das Glutamin nicht mehr verarbeitet werden und es kommt zur Entzündung des Dünndarms. Abgesichert wird die Diagnose durch eine Magen-Darm-Spiegelung, bei der Gewebeproben der Dünndarmschleimhaut entnommen werden. Das ist nicht erforderlich, wenn die Zahl der Antikörper sehr hoch ist oder in deiner Familie bereits jemand an Zöliakie erkrankt ist. Dann wird zur Absicherung der Diagnose eine 3-monatige Diät empfohlen. In dieser Zeit musst du komplett auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten.

Behandlung von Zöliakie und die Folgen

Zöliakie ist nicht heilbar. Wer daran erkrankt muss sein Leben lang auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten. Eine strenge Umstellung der Ernährung ist zwingend erforderlich. Allerdings verschwinden alle Symptome bei Einhaltung einer glutenfreien Ernährung vollständig. Eine glutenfreie Ernährung ist für Betroffene anfangs schwierig, doch es gibt eine Fülle glutenfreier Lebensmittel und viele leckere Rezepte mit glutenfreien Produkten.

Tückisch ist, dass in vielen Lebensmitteln Gluten enthalten ist, obwohl dies nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Damit dir die Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung leichter fällt, haben wir dir alle glutenfreien Nahrungsmittel und alle glutenhaltigen Lebensmittel praktisch und übersichtlich in einer Tabelle zusammengefasst. Du kannst dir die Tabellen abspeichern oder ausdrucken, um sie mit zum Einkaufen zu nehmen.

Pommes mit Ketchup zählen zu den Lebensmitteln, bei denen Vorsicht geboten ist. Selbstgemachte Pommes zu Hause sind vollkommen unbedenklich, aber Fertigprodukte werden oft in Mehl gewälzt, damit sie beim Frittieren schön knusprig werden. Auch beim Ketchup musst die Zutatenliste auf dem Produkt genau prüfen. Senf, Mayonnaise und Ketchup können Gluten enthalten.

Was passiert, wenn du aus Versehen Gluten isst?

Es ist nicht dramatisch, wenn du unwissentlich etwas isst, das verstecktes Gluten enthält. Doch das solltest du möglichst vermeiden. Auf gar keinen Fall solltest du, wenn du bei glutenfreier Ernährung beschwerdefrei bist, wissentlich Lebensmittel zu dir nehmen, die Gluten enthalten. „Einmal ist keinmal“ trifft hier nicht zu. Auch wenn du nach dem Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel keine offensichtlichen Beschwerden hast, wird die Entzündung im Darm davon dennoch befeuert und es kann zu schwerwiegenden Spätfolgen kommen.

Was passiert, wenn eine Zöliakie nicht behandelt wird?

  1. Die Entzündung im Darm schreitet fort.
  2. Direkte Folgen der Darmentzündung sind Durchfall, Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen.
  3. Weitere Folgen: Unter anderem können Osteoporose, Depressionen, Migräne oder Epilepsie auftreten. Die Pubertät kann verzögert einsetzen, die Monatsblutung kann ausbleiben und es kann zu Fruchtbarkeitstörungen kommen.

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel kann einen Arztbesuch nicht ersetzen und ist ungeeignet zur Selbstdiagnose oder zur Selbstbehandlung. Der Artikel enthält nur allgemeine Hinweise.

zuletzt aktualisiert am: 03.01.2022

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